„Vollständige Nordwand“ am Wilden Kopf

Alešák Procházka klettert die „Vollständige Nordwand“ am Wilden Kopf.

Der Weg aus dem Jahr 1976 konnte bisher noch keine 10 Begeher anlocken. Dieser Weg ist nur etwas für absolute Allrounder. Von Fausklemmern bis hin zu steiler Wand- und Reibungskletterei wird alles gefordert. Die Ringabstände sind im unteren Wegverlauf so groß, dass zur Absicherung Knotenschlingen mit größter Sorgfalt gelegt werden müssen.

Vollständige Nordwand VIIIc: 26.09.1976 Bernd Arnold – Ganz links in der Nordwand Verschneidung bis unter großen Block, bei waagerechtem Einschnitt rechts queren und Reibung (Ring), rechts Kante zu Band und links feine Rippen der „Nordwand“ zu 2. Ring, links Rissspur und Rippe zu Ring. Kurze Rippe und rechts queren (Ring) und rechtshaltend Kante zum Gipfel.

Alešák Procházka klettert die "Vollständige Nordwand" am Wilden Kopf
Alešák Procházka klettert die „Vollständige Nordwand“ am Wilden Kopf
Alešák Procházka klettert die "Vollständige Nordwand" am Wilden Kopf
Alešák Procházka klettert die „Vollständige Nordwand“ am Wilden Kopf

„Rengerkante“ an der Brosinnadel

Manuel Hasterok klettert die "Rengerkante" an der Brosinnadel
Manuel Hasterok klettert die „Rengerkante“ an der Brosinnadel

Rengerweg VIIb: 13.06.1920 E. Renger – Den Alten Weg bis in die Einschartung. Auf Höhe der Einschartung links queren zu nachträglichem Ring. Westkante zum Gipfel.

Manuel HasterokManuel meint: Die Rengerkante verspricht schon vom Namen her etwas Abenteuer, suggerierte mir aber auch einen qualitativ hochwertigen Weg, was die Sternchenbewertung im Kletterführer noch untermalte. Um einen besseren Eindruck von den Gegebenheiten von 1920 zu bekommen, entschied ich mich für eine Barfußbegehung. Das raue Gestein und die etwas größeren, runden Tritte eigneten sich auch bestens dafür. Der Abzweig vom AW fängt recht harmlos mit einem gängigen Quergang an, bevor ich dann an der Kante dem ultimativem Tiefblick ausgesetzt war und mich glücklich schätzen konnte, dass dort ja schon einen Ring installiert wurde. Nachdem ich mich mit der Ausgesetztheit arrangiert hatte, gelangen auch die restlichen Klettermeter gut und wir konnten uns noch schön in der warmen Frühlingsabendsonne auf dem Gipfel entspannen.

Kurzinfo:

Gipfel:
Brosinnadel
Gebiet:
Affensteine
Route:
Rengerkante
Grad:
VIIb
Kletterer:
Manuel Hasterok

Seilhandhabung in Mehrseillängen

Mal im Ernst: Klettern im Überschlag ist nicht gerade schön. Gerade am Standplatz angekommen darf ohne Erholung in den Vorstieg gewechselt werden. Es bleibt gerade soviel Zeit das verbliebene Material vom Sicherungsmann zu übernehmen und sich dabei erzählen zu lassen wo es weitergeht. Optimal ist anders!

Standplatz in einer Mehrseillängenroute im Valli del Sarca (bei Arco)
Standplatz in einer Mehrseillängenroute im Valli del Sarca (bei Arco)

Im Überschlag wird nicht geklettert weil es schön ist. Es ist das notwendige Übel um dem Seilchaos Herr zu werden. Schade – eine Seilschaft, die im „Block“ klettert, ist schneller.

Eine andere Variante für die Begehung von Mehrseillängen ist das Klettern im „Block“. Dabei klettert ein Kletterer stets mehrere Seillängen im Vorsteig und gibt die Führung am Ende des Blockes an den anderen Kletterer der Seilschaft ab. Ist die Tour 10 Seillängen lang, klettert der eine die ersten 5 Seillängen im Vorstieg und der andere die letzten 5 Seillängen. Wer aber so in Blöcken klettert, kommt um ein vernünftiges Seilmanagement nicht drumrum. Die Zeiten, in denen mit dem Seil irgendwie umgegangen wurde, sind jetzt vorbei. Im folgenden eine Anleitung für stressfreies Klettern von Mehrseillängenrouten.

Am Standplatz angekommen sichert man sich selbst mittels Mastwurf (rechts). Zusätzlich wird ein Metolius Ropehook (links) vorbereitet. Anstelle des Ropehooks kann das Seil auch über den eigenen Seilstrang zur Selbstsicherung gelegt werden.
Am Standplatz angekommen sichert man sich selbst mittels Mastwurf (rechts). Zusätzlich wird ein Metolius Ropehook (links) vorbereitet. Anstelle des Ropehooks kann das Seil auch über den eigenen Seilstrang zur Selbstsicherung gelegt werden.
Die Nachstiegssicherung (links) erfolgt mit einem Sicherungsgerät, das automatisch blockiert wie z.B. dem Reverso.
Die Nachstiegssicherung (links) erfolgt mit einem Sicherungsgerät, das automatisch blockiert wie z.B. dem Reverso.
Das eingezogene Seil wird in Schlaufen rechts und links in die Seilaufnahme gelegt (oder eben über das Seil der Selbstsicherung).
Das eingezogene Seil wird in Schlaufen rechts und links in die Seilaufnahme gelegt (oder eben über das Seil der Selbstsicherung).
Wichtig: Die Seilschlaufen werden mit jeder Schlaufe ein Stück länger!
Wichtig: Die Seilschlaufen werden mit jeder Schlaufe ein Stück länger!
Wenn der Nachsteiger den Standplatz erreicht, ist das gesamte Seil in der Seilaufnahme. Die oben aufliegenden Schlaufen sind die längsten. Zusammen mit dem Nachsteiger wird der Seilstapel nun gewendet: Der Nachsteiger hält mit beiden Händen den Seilstapel in der Mitte fest und der Sicherungsmann wirft die eine Seite des Stapels über die Hände des Nachsteigers. Der Nachsteiger legt den nun gewendeten Seilstapel zurück in den Ropehook. Das Ergebnis ist im nächsten Bild zu sehen.
Wenn der Nachsteiger den Standplatz erreicht, ist das gesamte Seil in der Seilaufnahme. Die oben aufliegenden Schlaufen sind die längsten. Zusammen mit dem Nachsteiger wird der Seilstapel nun gewendet: Der Nachsteiger hält mit beiden Händen den Seilstapel in der Mitte fest und der Sicherungsmann wirft die eine Seite des Stapels über die Hände des Nachsteigers. Der Nachsteiger legt den nun gewendeten Seilstapel zurück in den Ropehook. Das Ergebnis ist im nächsten Bild zu sehen.
Nach dem "Wenden" des Seilstapels liegen die kürzesten Schlaufen oben auf. Das Seil des zuvor Sichernden liegt oben und kann einfach abgenommen werden. Durch die unterschiedlich langen Schlaufen ziehen sich die Schlaufen nicht ineinander.
Nach dem „Wenden“ des Seilstapels liegen die kürzesten Schlaufen oben auf. Das Seil des zuvor Sichernden liegt oben und kann einfach abgenommen werden. Durch die unterschiedlich langen Schlaufen ziehen sich die Schlaufen nicht ineinander.

Endet für einen Vorsteiger ein Block, sichert er noch einmal seinen Nachsteiger, der dann in der nächsten Seillänge die Führung übernimmt. Bei diesem letzten Nachsichern wird mit langen Seilschlaufen begonnen, die Stück für Stück kürzer werden. Ein Wenden des Seilstapels kann dann entfallen, da das Seil des zum Vorsteiger werdenden Nachsteigers bereits oben aufliegt. So (mit langen Seilschlaufen beginnend) kann übrigens auch ganz prima im Überschlag geklettert werden.

Tipp: Vor der nächsten Klettertour zu Hause am Geländer ausprobieren!

Cerro Torre Vortrag am 5. März

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Am 05.März gibt es im Bautzener Steinhaus meinen Vortrag „Cerro Torre – der unmögliche Berg“ zu sehen.

Der Vortrag findet im Rahmen der Geo.osT Veranstalltungsreihe „Unbekannt | Unmöglich | Unglaublich“ statt und am gleichen Abend gibt es einen weiteren Vortrag. Christiane Hupe und Gerald Krug berichten über eine (Kletter)Reise in den Iran.

Kurzinfo:

Datum:
05.03.2016 um 19:00 Uhr
Ort:
Steinhaus Bautzen (Steinstraße 37)
Preis (für beide Vorträge):
VVK: 13EUR/10EUR und Abendkasse: 15EUR/13EUR (Kartenvorverkauf)
Facebook:
Veranstalltung

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„Herbstvariante zum Aehligweg“ am Lolaturm

Stefan Giron klettert in der direkten Herbstvariante am Lolaturm
Stefan Giron klettert in der direkten Herbstvariante am Lolaturm

Herbstvariante zum Aehligweg VIIIb: 01.10.1961 Kurt Richter, H. Richter – Zwei Meter rechts der Südkante Handriss und später Rissspur an 3 Ringen vorbei zum Vorgipfel. Wand zum Gipfel.

Stefan GironStefan meint: Der Aehligweg sieht von unten alles andere als einladend aus: Nur wenige Meter über dem Einstieg hängt, wie ein Damoklesschwert, eine große sandige Schuppe. Alles andere lässt sich nicht einsehen: Bleibt es sandig oder wird sogar brüchig? Wird es steil oder liegend? Gibt es Strukturen auf der Wand? Und ist der Riss nun breit oder schmal? Bis zum 2. Ring wird im originalen Aehligweg geklettert. Bis dahin sollte maximal VIIb gefordert werden, also wird es schon gehen. Dass mich danach eine Art offene Fingerriss-Rinne erwartete, kam für mich überraschend. Herrlich technische Kletterei steckt in der Herbstvariante, bei übrigens bestem Gestein. Mit der Direktvariante wird es eine schnurgerade, vom Riss markierte Linie, die sich vor ihren linken Nachbarn keineswegs verstecken muss.

Kurzinfo:

Gipfel:
Lolaturm
Gebiet:
Schmilka
Route:
Aehligweg mit direkter Herbstvariante
Grad:
VIIIb
Kletterer:
Stefan Giron

„Direkter Herbstweg“ an der nördlichen Pfaffenschluchtspitze

Manuel Hasterok klettert den "Direkten Herbstweg" an der nördlichen Pfaffenschluchtspitze
Manuel Hasterok klettert den „Direkten Herbstweg“ an der nördlichen Pfaffenschluchtspitze

Direkter Herbstweg VIIIc: 07.05.1956 Herbert Richter, K. Zumpe, H. Claußnitzer – Westkante (Ring) zu 2. Ring. Oben Rinnenfolge zum Gipfel.

Manuel HasterokManuel meint: Angeblich sollten vor dem 1. Ring noch zwei Schlingenmöglichkeiten sein, da diese mir aber nicht sofort ins Auge fielen und die Griffe alle ganz gut waren, entschied ich mich für ein sicherungsfreies Anklettern des 1. Ringes. Anspruchsvoller und nervenaufreibender empfand ich dann den Quergang zwischen dem ersten und dem zweiten Ring an wenig hinterschnittenen Griffen und abschüssigen Tritten. Der direkte Herbstweg hat das Image, psychisch anspruchsvoll zu sein, dafür aber klettert sich der schwerste Einzelzug für VIIIc recht gängig. Daher war es ganz gut, dass ich vorher sozusagen ausversehen einen wesentlich schwereren VIIIb-Weg geklettert bin und somit auf die Schwierigkeiten im Herbstweg bestens vorbereitet war. Insgesamt ein sehr toller Weg und das bei bestem Herbstwetter!

Kurzinfo:

Gipfel:
Nördliche Pfaffenschluchtspitze
Gebiet:
Gebiet der Steine
Route:
Direkter Herbstweg
Grad:
VIIIc
Kletterer:
Manuel Hasterok

„Pfingstweg“ am Heringstein

Manuel Hasterok klettert den "Pfingstweg" am Heringstein
Manuel Hasterok klettert den „Pfingstweg“ am Heringstein

Pfingstweg: 17.05.1948 Karlheinz Gonda, G. Junghans, G. Straube, E. Gorlt, G. Walpert – Links vom Einstieg des „Grünen Weges“ Verschneidung zu Loch. Links queren und Riss (Ring) zum Gipfel.

Manuel HasterokManuel meint: Bereits von unten sah ich, dass die Querung aus dem Loch zum Rissbeginn nicht ideal für den Seilverlauf sein wird. Da ich nicht mit zwei Seilen klettern wollte, nahm ich mir vor die jeweiligen Schlingen stark zu verlängern. In der Querung musste ich dann schonmal meine Hände sortieren und hatte dabei durch die verlängerte Schlinge entsprechenden Nervenkitzel. Der Rissanfang beruhigte mich dann mit einer guten Knotenschlinge. Auf dem folgenden Weg zum Gipfel lässt sich dann ein Freude spendendes Sammelsurium an Rißklettertechniken anwenden.

Kurzinfo:

Gipfel:
Heringstein (15)
Gebiet:
Kleiner Zschand
Route:
Pfingstweg
Grad:
VIIIa
Kletterer:
Manuel Hasterok

„Nordostwand“ am Heringstein

Tino Tanneberger und Manuel Hasterok klettern die "Nordostwand" am Heringstein
Tino Tanneberger und Manuel Hasterok klettern die „Nordostwand“ am Heringstein

Nordostwand: 26.07.1953 Gerhard Alde und Lothar Brandler, B. Engler – Links in der NO-Seite, aus der Scharte zur „Sprotte“, rechtsgeneigten Handriss zu 1. Band. (Unterstützt) Riss zu Loch (2. Band). 20 Meter rechts queren und kurzen Riss zu nachträglichen Ring. Wand und kleine Verschneidung hoch, dann rechtshalten zu großem Band (nachträglicher Ring). (Unterstützt) über Überhang zu Kriechband. Über Überhang zu 3. Ring. Nach links zu Kante und Plattenfolge zu Band (große Sanduhr). (Unterstützt) Riss, bei Knick rechtshaltend, später nach links zum Gipfel.

 

Tino TannebergerTino meint: Abwechslungsreiche, lange Route mit klassischer Weganlage. Die Linienführung forderte Manuel und mich fast gleichermaßen. Als ich an den zwei nachträglich installierten Ringen vorbeikam konnte ich die Leistung der Erstbegeher erst richtig einordnen. Was die Erstbegeher Alde und Brandler bereits 1953 wagten beeindruckt mich.

 

Manuel HasterokManuel meint: Durch die Stein-Schere-Papier-Auslosung am Wandfuß ist mir die zweite Seillänge der Nordostwand, vom Ring nach der Querung bis zum Schlingenstand, zugefallen. In dieser zweiten Seillänge sind die ersten Meter noch gängig. An der Baustelle wartet dann die Crux der Route. Das An- und Wegklettern vom Kriechband erfordert Orientierungssinn und Abenteuerlust bei weiten Sicherungsabständen. Dies wird allerdings mit herrlich ausgesetzter Plattenkletterei und größer werdenden Griffen belohnt. Beim nachholen am Schlingenstand genieße ich die schöne Landschaft und die frische Herbstluft. Eine tolle Bergfahrt!

Kurzinfo:

Gipfel:
Heringstein (15)
Gebiet:
Kleiner Zschand
Route:
Nordostwand
Grad:
VIIIb (VIIIc)
Kletterer:
Tino Tanneberger und Manuel Hasterok