Archiv der Kategorie: Bergsteigen

Osterspaziergang

Eigentlich hatte ich schon den ganzen Eiskletterkrempel in den Dachboden geräumt. Ein leicht depressiver Blick auf das Thermometer zeigte für die Osterfeiertage tatsächlich satte Minusgrade an. Also wird es wohl nix mit der ersten Felstour im sächsischen Sandstein.

Ein Besuch bei Mike Jäger in Schmilka erhellte aber augenblicklich meine Stimmung: Die Rübezahlstiege steht!

Die eigentliche Rübezahlstiege ist für den Stiegenfreund die wohl schwierigste und bekannteste Stiege in der Sächsischen Schweiz. Sie ist zwar nicht so lang wie die Häntzschelstiege, aber trotzdem sehr beliebt. Für mich liegt aber die eigentliche Rübezahlstiege 50 Meter neben dem von Eisenklammern markierten Stiegeneinstieg. Bei guten Bedingungen entsteht hier ein ca. 25 Meter hoher Eisfall. Oft ist das Eis durch das Erdreich oberhalb rötlich gefärbt.

Schon oft bin ich um den Eisfall geschlichen und habe mich bisher immer gegen einen Vorstieg entschieden. Die Sächsische Schweiz glänzt nicht mit idealen Eiskletterbedingungen und so ist oft einfach zu wenig Eis in der Route.

(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege

Kurzinfo:

Gebiet:
Schmilka
Route:
Rübezahlstiege
Grad:
WI 5-
Kletterer:
Uwe Daniel
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an einem anderen Eisfall

„Via dei Ragni“ am Cerro Torre

Nach unserem Besuch der Cerro Torre – Westwand in der Saison 2010/2011 war ich mit meinem Freund Falk Liebstein über den Jahreswechsel erneut am Cerro Torre.

Wir hatten direkt Glück mit dem Wetter und konnten einen erneuten Versuch an der Westwand (auch Ferrari-Route oder Via dei Ragni genannt) starten.

Nachdem wir in der Hütte „Piedra del Fraile“ gestartet waren, liefen wir während der Nacht über den Passo de Marconi und über das patagonische Inlandeis. Am frühen Morgen erreichten wir den Circo de los Altares und stiegen gleich weiter in Richtung „Sattel der Hoffnung“.

Nachdem wir den „Sattel der Hoffnung“ hinter uns gelassen hatten, erreichten wir am Abend des zweiten Tages eine Eisstruktur die „Helm“ genannt wird. Dort richteten wir uns zu einem Biwak ein.

Am Mittag des dritten Tages konnten wir dann in einem lauen Lüftchen auf dem Gipfel des Cerro Torre stehen und die Aussicht auf die umliegenden Berge und das patagonische Inlandeis genießen.

Kurzinfo

Gebiet:
Patagonien
Route:
Via dei Ragni
Grad:
600M 90° WI6 M5
Kletterer:
Falk Liebstein & Uwe Daniel

Cerro Torre

Alpinism at its most symbolic place: Cerro Torre
Alpinism at its most symbolic place: Cerro Torre

Über den Jahreswechsel waren Falk Liebstein und ich an der Westwand des Cerro Torre in Patagonien unterwegs. Unser Ziel war die Ferrari-Route (auch via dei Ragni genannt). Um den Einstieg der Route zu erreichen, mussten wir von der Ostseite (Postkartenseite) über einen steilen Pass am Cerro Stanhard steigen um zur Westseite des Torre zu gelangen. Als wir den Einstieg der Route erreichten, waren wir bereits eine ganze Nacht und einen ganzen Tag unterwegs. Wir biwakierten auf dem letzten Felsriegel und stiegen im Morgengrauen weiter auf zum Col de la Esperanza (Sattel der Hoffnung).

Auf dem Weg zum Sattel hatten wir mit sturmartigem Wind zu kämpfen. Je näher wir dieser Engstelle kamen, umso stärker wurde er. Das Gelände, in dem wir uns befanden, war nicht schwierig, aber der Wind machte uns zu schaffen. Als wir weiter stiegen, erreichten wir eine abweisende Eisstruktur die „Helm“ genannt wird. Wir wussten, dass hier die 1. Schlüsselseillänge auf uns warten würde. Die nächsten 40 Meter waren sehr steil und das Eis war mit meterdickem Raureif bedeckt – viel zu locker, um mit Eisgeräten halt zu finden. Doch wir hatten Glück und fanden den Einstieg in einen Eistunnel der im Inneren der riesigen Eisstruktur nach oben führte.

Eistunnel am Cerro Torre
Eistunnel am Cerro Torre

Wir waren ganz froh darüber, aus dem Sturm herauszukommen. Doch manchmal fand der Wind von unten in den Tunnel und die immerzu von oben in den Tunnel fallenden Eisstücke schwebten vor unseren Augen. Die Schwierigkeit hierbei war, dass der Eistunnel kaum 3 Fuß breit war und nicht genug Raum bot, um mit dem Eisgerät kräftig auszuholen.

Uwe Daniel - letzte Meter auf den Helm
Uwe Daniel – letzte Meter auf den Helm

Auf dem Helm angekommen bemerkten wir, dass sich Linsenwolken am Himmel formten. Unsere Wetterprognose versprach uns ein Fenster von zwei bis vielleicht drei Tagen – und die waren jetzt um! Wir wussten, dass uns nur noch wenige Stunden bis zum Abend bleiben würden – dann müssten wir umkehren.

Wir stiegen weiter in Richtung der 2. Schlüsselseillänge und in dem kombinierten Gelände zerrann uns die Zeit zwischen den Fingern. In der Dämmerung kehrten wir um und machten uns auf den Rückweg zum patagonischen Inlandeis. Doch weit kamen wir nicht. Das Wetter wurde zunehmend schlechter. Die Sichtbedingungen ließen es nicht zu, weiter abzuseilen und so biwakierten wir direkt unter dem „Helm“ und warteten auf den Morgen.

Sturm am Cerro Torre
Sturm am Cerro Torre

Am nächsten Morgen gelang uns die Orientierung und wir erreichten nach einem halben Tag den Circo de los Altares. An diesem Ort hat man bei gutem Wetter einen hervorragenden Blick über die Torre Gruppe. Bei uns aber regnete es – der Sturm hatte sich in der Nacht gelegt. Wir hatten einen langen Weg vor uns. Der Rückweg führt über den Marconi-Pass. Insgesammt eine Strecke von ca. 40 Kilometern.

Wir hatten keinen aktuellen Wetterbericht, wussten aber, dass der nächste Sturm nicht lange auf sich warten lassen würde. Nach weiteren eineinhalb Tagen und einem weiteren Biwak im Schnee erreichten wir endlich eine Hütte am Fuße des Fitz Roy und damit war unser Bergabenteuer für dieses Mal zu Ende.

Nach 5 Tagen und 4 Biwaks brauchten wir eine lange Zeit um wieder Lust zu bekommen unsere Bergschuhe anzuziehen. Den Traum vom Cerro Torre aber gaben wir nicht auf.