Archiv der Kategorie: Eisklettern

Seilhandhabung in Mehrseillängen

Mal im Ernst: Klettern im Überschlag ist nicht gerade schön. Gerade am Standplatz angekommen darf ohne Erholung in den Vorstieg gewechselt werden. Es bleibt gerade soviel Zeit das verbliebene Material vom Sicherungsmann zu übernehmen und sich dabei erzählen zu lassen wo es weitergeht. Optimal ist anders!

Standplatz in einer Mehrseillängenroute im Valli del Sarca (bei Arco)
Standplatz in einer Mehrseillängenroute im Valli del Sarca (bei Arco)

Im Überschlag wird nicht geklettert weil es schön ist. Es ist das notwendige Übel um dem Seilchaos Herr zu werden. Schade – eine Seilschaft, die im „Block“ klettert, ist schneller.

Eine andere Variante für die Begehung von Mehrseillängen ist das Klettern im „Block“. Dabei klettert ein Kletterer stets mehrere Seillängen im Vorsteig und gibt die Führung am Ende des Blockes an den anderen Kletterer der Seilschaft ab. Ist die Tour 10 Seillängen lang, klettert der eine die ersten 5 Seillängen im Vorstieg und der andere die letzten 5 Seillängen. Wer aber so in Blöcken klettert, kommt um ein vernünftiges Seilmanagement nicht drumrum. Die Zeiten, in denen mit dem Seil irgendwie umgegangen wurde, sind jetzt vorbei. Im folgenden eine Anleitung für stressfreies Klettern von Mehrseillängenrouten.

Am Standplatz angekommen sichert man sich selbst mittels Mastwurf (rechts). Zusätzlich wird ein Metolius Ropehook (links) vorbereitet. Anstelle des Ropehooks kann das Seil auch über den eigenen Seilstrang zur Selbstsicherung gelegt werden.
Am Standplatz angekommen sichert man sich selbst mittels Mastwurf (rechts). Zusätzlich wird ein Metolius Ropehook (links) vorbereitet. Anstelle des Ropehooks kann das Seil auch über den eigenen Seilstrang zur Selbstsicherung gelegt werden.
Die Nachstiegssicherung (links) erfolgt mit einem Sicherungsgerät, das automatisch blockiert wie z.B. dem Reverso.
Die Nachstiegssicherung (links) erfolgt mit einem Sicherungsgerät, das automatisch blockiert wie z.B. dem Reverso.
Das eingezogene Seil wird in Schlaufen rechts und links in die Seilaufnahme gelegt (oder eben über das Seil der Selbstsicherung).
Das eingezogene Seil wird in Schlaufen rechts und links in die Seilaufnahme gelegt (oder eben über das Seil der Selbstsicherung).
Wichtig: Die Seilschlaufen werden mit jeder Schlaufe ein Stück länger!
Wichtig: Die Seilschlaufen werden mit jeder Schlaufe ein Stück länger!
Wenn der Nachsteiger den Standplatz erreicht, ist das gesamte Seil in der Seilaufnahme. Die oben aufliegenden Schlaufen sind die längsten. Zusammen mit dem Nachsteiger wird der Seilstapel nun gewendet: Der Nachsteiger hält mit beiden Händen den Seilstapel in der Mitte fest und der Sicherungsmann wirft die eine Seite des Stapels über die Hände des Nachsteigers. Der Nachsteiger legt den nun gewendeten Seilstapel zurück in den Ropehook. Das Ergebnis ist im nächsten Bild zu sehen.
Wenn der Nachsteiger den Standplatz erreicht, ist das gesamte Seil in der Seilaufnahme. Die oben aufliegenden Schlaufen sind die längsten. Zusammen mit dem Nachsteiger wird der Seilstapel nun gewendet: Der Nachsteiger hält mit beiden Händen den Seilstapel in der Mitte fest und der Sicherungsmann wirft die eine Seite des Stapels über die Hände des Nachsteigers. Der Nachsteiger legt den nun gewendeten Seilstapel zurück in den Ropehook. Das Ergebnis ist im nächsten Bild zu sehen.
Nach dem "Wenden" des Seilstapels liegen die kürzesten Schlaufen oben auf. Das Seil des zuvor Sichernden liegt oben und kann einfach abgenommen werden. Durch die unterschiedlich langen Schlaufen ziehen sich die Schlaufen nicht ineinander.
Nach dem „Wenden“ des Seilstapels liegen die kürzesten Schlaufen oben auf. Das Seil des zuvor Sichernden liegt oben und kann einfach abgenommen werden. Durch die unterschiedlich langen Schlaufen ziehen sich die Schlaufen nicht ineinander.

Endet für einen Vorsteiger ein Block, sichert er noch einmal seinen Nachsteiger, der dann in der nächsten Seillänge die Führung übernimmt. Bei diesem letzten Nachsichern wird mit langen Seilschlaufen begonnen, die Stück für Stück kürzer werden. Ein Wenden des Seilstapels kann dann entfallen, da das Seil des zum Vorsteiger werdenden Nachsteigers bereits oben aufliegt. So (mit langen Seilschlaufen beginnend) kann übrigens auch ganz prima im Überschlag geklettert werden.

Tipp: Vor der nächsten Klettertour zu Hause am Geländer ausprobieren!

Namen – aber nicht charakterlos

„Wir können auch einen Kaffee trinken gehen…“ sagt Frank, wärend er an zwei Eisschrauben gesichert über dem saugenden Abgrund hängt. Mit den Seilen kämpfend schaut er zweifelnd zu mir rauf; ich schaue ebenso zweifelnd zu ihm runter. Irgendwie ist es jedes Mal das Selbe. Eine Eingewöhnungstour haben wir auch noch nie gemacht. Und das, genau das, ist der Moment, wo wir uns dessen bewusst werden. Die Monozacken meiner Steigeisen sprechen mit mir: „Ich rutsch raus! Gleich ist es soweit! Fahr´ nach Hause!“. Aber ich kann den Ausstieg schon sehen. Die Monozacke bleibt wo sie ist und wir erreichen den Ausstieg eines weiteren schönen Eisfalles im Pitztal.

Frank am Hängestand. Sichert in der letzten Seillänge von Nameless
Frank am Hängestand. Sichert in der letzten Seillänge von Nameless

„Nameless“ (so der Name des Eisfalles) zählt zu den anspruchsvollen Eisanstiegen im Pitztal. Von der Straße aus gut sichtbar teilt sich Nameless den Zustieg mit Havanna. Jeder Eiskletterer blickt forschend zu Nameless hinauf und fragt sich, wie sich der anscheinend eisarme mittlere Teil klettern lässt. Hat man den langen Zustieg hinter sich (Achtung: Lawinengefahr) warten 120 Höhenmeter Eisfall darauf, geklettert zu werden. Die erste Seillänge führte Frank auf dünnem Eis zu einem geräumigen Absatz. Von dort aus folgt die erste schwere Länge und führt auf eine Eisrampe, der man linksansteigend unter den steilen Schlußaufschwung folgt. Die linksansteigende 3. Seillänge startet in einem kleinen Winkel, der -voll mit Eis- von der Straße aus nicht sichtbar ist, klettertechnisch aber kein Problem darstellt.

Nameless Topo - Eisfall im Pitztal
Nameless Topo – Eisfall im Pitztal

Kurzinfo:

Kletterer:
Uwe Daniel und Frank
Eisfall:
Nameless
Gebiet:
Pitztal
Grad:
WI5

Steinbeißer im Pitztal

Die 1. Seillänge des rechten Galeriefalles im Pitztal (Foto: Olaf Rieck)
Die 1. Seillänge des rechten Galeriefalles im Pitztal (Foto: Olaf Rieck)

Endlich war es mal soweit! Eine Verabredung zum Eisklettern mit meinem Freund Olaf Rieck (herzlichen Dank für die Fotos). Der eine Woche zuvor blasende Föhn hat buchstäblich alle Eisfälle im Zillertal zerstört. Selbst auf 2000 Metern waren die Bedingungen nicht zu verantworten. Die Föhnschneise verlief aber recht weit im Osten und so zogen wir Richtung West weiter ins Pitztal, wo wir kletterbares Eis fanden.

Die Bedingungen waren aber auch im Pitztal alles andere als gut. Nur eine Handvoll Möglichkeiten bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Bei hinterspülten und dünnen Eisauflagen war Vorsicht geboten und die Eistools bissen hin und wieder auf Stein. Am letzten Tag kletterten wir den rechten Galeriefall direkt gegenüber von Havanna und Nameless.

„Hängende Gärten“ – Extremklassiker in Tirol

„Stand!“ rufe ich und hoffe, dass mich Frank, welcher unter einer Eissäule in einer schützenden Höhle steht, verstehen kann. Die zweite Seillänge hatte es erwartungsgemäß in sich. Den Einstieg bildet eine freistehende Säule an derem Ende ich schon von unten eine eingerichtete Abseilschlinge sah. An der Schlinge angekommen konnte ich um die Ecke schauen und sah einen bizzaren Eisüberhang. Der typische Eiskletter-Landregen frohr umgehend an den Eistools fest und es galt schnell weiterzuklettern. Man konnte den Eiszapfen beim Wachsen regelrecht zusehen.

Die erste Säule
Die erste Säule

Beim Anblick des Überhanges wurde mir auch klar, warum die Abseilschlinge dort war. Stummes Zeugnis von Begehungen, welche an dieser Stelle mit „Wir waren hier! Jungens wir seilen ab.“ endeten. Aber wie sind Frank und ich hierhergekommen? Auf der Suche nach Eis waren wir zwei Tage zuvor nach Avers gefahren: Hohe Lawinengefahr!; die Toptour „der Thron“ im oberen Abschnitt zusammengebrochen. Die Ausweichvariante im Eisklettergarten bei Plusgraden führte umgehend zu Depressionen, als wir beide in einem vierer Eisfall an einer Schraube ruhen mussten. Kurzum: Wenn es einmal nicht läuft, dann läuft es nicht! Aber genau dort trafen wir Marina und Gerd. Gerd musste nicht ruhen, stieg alles sehr souverän und machte das offensichtlich nicht zum ersten Mal in der ausklingenden Saison. Ob seiner oberarmdicken Unterarme beantwortete er die Frage, ob er eine Stunde lang an einem Arm hängen könnte verwundert mit „Ja“. Total normal. Herr Arzt, ich kann nicht eine Stunde lang an einem Arm hängen! Zur Stimmungsaufhellung berichtete Gerd außerdem von einer Begehung der „Hängenden Gärten“ und dortigen guten Bedingungen.

Topo der Hängenden Gärten. Die Seillängen 2 und 3 können auch verbunden werden.
Topo der „Hängenden Gärten“. Die Seillängen 2 und 3 können auch verbunden werden.

Die „Hängenden Gärten“ sind in meinem Eiskletterführer leicht zu finden. Die Seite ist, so wie einige andere auch, mit dem Verpackungspapier einer Schokopraline markiert. Ich kann mich genau an die Situation erinnern: Die Heizung stand so zwischen Stufe 2 und 3, meine Füße durch Wollsocken vor kompletter Überhitzung geschützt an den Heizkörper gestemmt. Neben dem Sofa auf dem Boden ein Korb voll mit vernachlässigten Weihnachtsknabbereien. Papierrascheln und Schmatzen hin und wieder unterbrochen vom Geräusch des Umblätterns im Eiskletterführer. „Oh“ und „Ahh“ hübsches Bild von hübschem Eisfall. Faszinierend! Schokopraline ausgepackt – gemampft – Seite markiert – Heizung leicht zurückgedreht. So eben auch mit der Seite bei den Hängenden Gärten. Der Eisfall ist als Extremklassiker bekannt und galt lange als eine der schwierigsten Eisformationen in Tirol. Seine vier Seillängen ziehen sich über 150 Meter nach oben und es warten Schwierigkeiten im 6. Eisgrad auf die Aspiranten.

Frank hat den ersten Eisüberhang hinter sich
Frank hat den ersten Eisüberhang hinter sich

Das sollte also das Projekt sein. Sollte es wirklich? Meine Eisklettersaison würde mit diesem Ausflug beginnen und gleichzeitig auch wieder enden. Die Saison bestand bisher aus drei Seillängen im dritten und vierten Eisgrad. Alles vergessen, alles ungewohnt und scheinbar neu – eben leicht zufrieden zu stellen. Es galt aber eine der Seitenmarkierungen aus dem Eiskletterführer zu entfernen. Probiert werden sollte es! Der erste schwierige Abschnitt an einer freistehenden Säule empor und einen anstrengenden Hangelquergang über einen Überhang hinweg lagen hinter uns. Da ich aber noch keine Zeit hatte das Problem mit meinen defekten Unterarmen beim Arzt zu lösen, richtete ich mich an soliden Eisstrukturen zum Zwischenstand ein. Dann weiter eine ansteigende Querung zu einem zweiten Überhang. Hinter einer kleinen Säule kann ich mich in einen Hohlraum stützen und schrauben. Geschafft! Um die Ecke rum und Blick nach oben. Ich sah 10 bis 15 Meter senkrechtes Eis. Ich konnte Spuren vorheriger Begehungen sehen, was beim Eisklettern vieles einfacher macht. Aber eine kurze Befragung meiner Unterarme viel mehr oder weniger negativ aus. Frank bemerkte scheinbar meine Zweifel und fragte „wie siehts aus? Wie gehts weiter?“. „Brettsteil“ seufzte ich zurück und ging ans Werk. Angst vor dem Runterfallen, fragiles Eis, dicke Unterarme, krampfige Finger, schlechte Schraube, mehr Angst, etwas bessere Schraube, Spinndrift, sprödes Eis, schlechte Schraube und so weiter. Endlich am Stand angekommen bin ich fix und fertig und spiele beim Nachsichern mit dem Gedanken abzuseilen. Die Schwierigkeiten lagen ja hinter uns. Von jetzt an würde nur noch eine Seillänge im 5. Grad folgen. Wärend Frank nachsteigt, erhole ich mich aber grad so weit, dass es für die letzte Seillänge gut reicht – wäre auch schade drum gewesen.

Geschafft! Wenn auch mit den üblichen Eiskletterverletzungen durch Splitter.
Geschafft! Wenn auch mit den üblichen Eiskletterverletzungen durch Splitter.

Ein langes Eiskletterwochenende pro Saison ist wie ich finde deutlich zu wenig. Und ich muss dringend zum Arzt und das mit den Unterarmen erledigen lassen 🙂

Kurzinfo:

Talort:
Lüsens (Tirol)
Route:
Hängende Gärten von Andreas Orgler und Otti Wiedmann (1988)
Höhe:
140 Meter auf 1.700 Metern
Grad:
WI6
Führermaterial:
Eisklettern in Tirol von Axel Jentzsch-Rabl (sehr gut!)
Bedingungen:
Guter Eisaufbau kann schlechter sein
Karte:

Osterspaziergang

Eigentlich hatte ich schon den ganzen Eiskletterkrempel in den Dachboden geräumt. Ein leicht depressiver Blick auf das Thermometer zeigte für die Osterfeiertage tatsächlich satte Minusgrade an. Also wird es wohl nix mit der ersten Felstour im sächsischen Sandstein.

Ein Besuch bei Mike Jäger in Schmilka erhellte aber augenblicklich meine Stimmung: Die Rübezahlstiege steht!

Die eigentliche Rübezahlstiege ist für den Stiegenfreund die wohl schwierigste und bekannteste Stiege in der Sächsischen Schweiz. Sie ist zwar nicht so lang wie die Häntzschelstiege, aber trotzdem sehr beliebt. Für mich liegt aber die eigentliche Rübezahlstiege 50 Meter neben dem von Eisenklammern markierten Stiegeneinstieg. Bei guten Bedingungen entsteht hier ein ca. 25 Meter hoher Eisfall. Oft ist das Eis durch das Erdreich oberhalb rötlich gefärbt.

Schon oft bin ich um den Eisfall geschlichen und habe mich bisher immer gegen einen Vorstieg entschieden. Die Sächsische Schweiz glänzt nicht mit idealen Eiskletterbedingungen und so ist oft einfach zu wenig Eis in der Route.

(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an der Rübezahlstiege

Kurzinfo:

Gebiet:
Schmilka
Route:
Rübezahlstiege
Grad:
WI 5-
Kletterer:
Uwe Daniel
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern
(Foto: Mike Jäger) Eisklettern an einem anderen Eisfall

„Via dei Ragni“ am Cerro Torre

Nach unserem Besuch der Cerro Torre – Westwand in der Saison 2010/2011 war ich mit meinem Freund Falk Liebstein über den Jahreswechsel erneut am Cerro Torre.

Wir hatten direkt Glück mit dem Wetter und konnten einen erneuten Versuch an der Westwand (auch Ferrari-Route oder Via dei Ragni genannt) starten.

Nachdem wir in der Hütte „Piedra del Fraile“ gestartet waren, liefen wir während der Nacht über den Passo de Marconi und über das patagonische Inlandeis. Am frühen Morgen erreichten wir den Circo de los Altares und stiegen gleich weiter in Richtung „Sattel der Hoffnung“.

Nachdem wir den „Sattel der Hoffnung“ hinter uns gelassen hatten, erreichten wir am Abend des zweiten Tages eine Eisstruktur die „Helm“ genannt wird. Dort richteten wir uns zu einem Biwak ein.

Am Mittag des dritten Tages konnten wir dann in einem lauen Lüftchen auf dem Gipfel des Cerro Torre stehen und die Aussicht auf die umliegenden Berge und das patagonische Inlandeis genießen.

Kurzinfo

Gebiet:
Patagonien
Route:
Via dei Ragni
Grad:
600M 90° WI6 M5
Kletterer:
Falk Liebstein & Uwe Daniel

Eisklettern im Elbsandstein

Die sächsische Schweiz ist nicht dafür bekannt, ein gutes Eisklettergebiet zu sein – was sie auch nicht ist. Aber für all diejenigen, die abhängig sind, gibt es doch hier und da mal etwas zum Klettern.

Ronald in der Rübezahlstiege
Ronald in der Rübezahlstiege
Ronald in der Rübezahlstiege
Ronald in der Rübezahlstiege

Kurzinfo:

Gebiet:
Schmilka
Route:
Rübezahlstiege
Grad:
WI 5-
Kletterer:
Ronald Reichelt

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist der Eisfall in der Gautschgrotte bei Hohnstein. Dieser Fall entsteht nur aller Jubeljahre.

Eisfall in der Gautschgrotte
Eisfall in der Gautschgrotte

Cerro Torre

Alpinism at its most symbolic place: Cerro Torre
Alpinism at its most symbolic place: Cerro Torre

Über den Jahreswechsel waren Falk Liebstein und ich an der Westwand des Cerro Torre in Patagonien unterwegs. Unser Ziel war die Ferrari-Route (auch via dei Ragni genannt). Um den Einstieg der Route zu erreichen, mussten wir von der Ostseite (Postkartenseite) über einen steilen Pass am Cerro Stanhard steigen um zur Westseite des Torre zu gelangen. Als wir den Einstieg der Route erreichten, waren wir bereits eine ganze Nacht und einen ganzen Tag unterwegs. Wir biwakierten auf dem letzten Felsriegel und stiegen im Morgengrauen weiter auf zum Col de la Esperanza (Sattel der Hoffnung).

Auf dem Weg zum Sattel hatten wir mit sturmartigem Wind zu kämpfen. Je näher wir dieser Engstelle kamen, umso stärker wurde er. Das Gelände, in dem wir uns befanden, war nicht schwierig, aber der Wind machte uns zu schaffen. Als wir weiter stiegen, erreichten wir eine abweisende Eisstruktur die „Helm“ genannt wird. Wir wussten, dass hier die 1. Schlüsselseillänge auf uns warten würde. Die nächsten 40 Meter waren sehr steil und das Eis war mit meterdickem Raureif bedeckt – viel zu locker, um mit Eisgeräten halt zu finden. Doch wir hatten Glück und fanden den Einstieg in einen Eistunnel der im Inneren der riesigen Eisstruktur nach oben führte.

Eistunnel am Cerro Torre
Eistunnel am Cerro Torre

Wir waren ganz froh darüber, aus dem Sturm herauszukommen. Doch manchmal fand der Wind von unten in den Tunnel und die immerzu von oben in den Tunnel fallenden Eisstücke schwebten vor unseren Augen. Die Schwierigkeit hierbei war, dass der Eistunnel kaum 3 Fuß breit war und nicht genug Raum bot, um mit dem Eisgerät kräftig auszuholen.

Uwe Daniel - letzte Meter auf den Helm
Uwe Daniel – letzte Meter auf den Helm

Auf dem Helm angekommen bemerkten wir, dass sich Linsenwolken am Himmel formten. Unsere Wetterprognose versprach uns ein Fenster von zwei bis vielleicht drei Tagen – und die waren jetzt um! Wir wussten, dass uns nur noch wenige Stunden bis zum Abend bleiben würden – dann müssten wir umkehren.

Wir stiegen weiter in Richtung der 2. Schlüsselseillänge und in dem kombinierten Gelände zerrann uns die Zeit zwischen den Fingern. In der Dämmerung kehrten wir um und machten uns auf den Rückweg zum patagonischen Inlandeis. Doch weit kamen wir nicht. Das Wetter wurde zunehmend schlechter. Die Sichtbedingungen ließen es nicht zu, weiter abzuseilen und so biwakierten wir direkt unter dem „Helm“ und warteten auf den Morgen.

Sturm am Cerro Torre
Sturm am Cerro Torre

Am nächsten Morgen gelang uns die Orientierung und wir erreichten nach einem halben Tag den Circo de los Altares. An diesem Ort hat man bei gutem Wetter einen hervorragenden Blick über die Torre Gruppe. Bei uns aber regnete es – der Sturm hatte sich in der Nacht gelegt. Wir hatten einen langen Weg vor uns. Der Rückweg führt über den Marconi-Pass. Insgesammt eine Strecke von ca. 40 Kilometern.

Wir hatten keinen aktuellen Wetterbericht, wussten aber, dass der nächste Sturm nicht lange auf sich warten lassen würde. Nach weiteren eineinhalb Tagen und einem weiteren Biwak im Schnee erreichten wir endlich eine Hütte am Fuße des Fitz Roy und damit war unser Bergabenteuer für dieses Mal zu Ende.

Nach 5 Tagen und 4 Biwaks brauchten wir eine lange Zeit um wieder Lust zu bekommen unsere Bergschuhe anzuziehen. Den Traum vom Cerro Torre aber gaben wir nicht auf.