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Seilhandhabung in Mehrseillängen

Mal im Ernst: Klettern im Überschlag ist nicht gerade schön. Gerade am Standplatz angekommen darf ohne Erholung in den Vorstieg gewechselt werden. Es bleibt gerade soviel Zeit das verbliebene Material vom Sicherungsmann zu übernehmen und sich dabei erzählen zu lassen wo es weitergeht. Optimal ist anders!

Standplatz in einer Mehrseillängenroute im Valli del Sarca (bei Arco)
Standplatz in einer Mehrseillängenroute im Valli del Sarca (bei Arco)

Im Überschlag wird nicht geklettert weil es schön ist. Es ist das notwendige Übel um dem Seilchaos Herr zu werden. Schade – eine Seilschaft, die im „Block“ klettert, ist schneller.

Eine andere Variante für die Begehung von Mehrseillängen ist das Klettern im „Block“. Dabei klettert ein Kletterer stets mehrere Seillängen im Vorsteig und gibt die Führung am Ende des Blockes an den anderen Kletterer der Seilschaft ab. Ist die Tour 10 Seillängen lang, klettert der eine die ersten 5 Seillängen im Vorstieg und der andere die letzten 5 Seillängen. Wer aber so in Blöcken klettert, kommt um ein vernünftiges Seilmanagement nicht drumrum. Die Zeiten, in denen mit dem Seil irgendwie umgegangen wurde, sind jetzt vorbei. Im folgenden eine Anleitung für stressfreies Klettern von Mehrseillängenrouten.

Am Standplatz angekommen sichert man sich selbst mittels Mastwurf (rechts). Zusätzlich wird ein Metolius Ropehook (links) vorbereitet. Anstelle des Ropehooks kann das Seil auch über den eigenen Seilstrang zur Selbstsicherung gelegt werden.
Am Standplatz angekommen sichert man sich selbst mittels Mastwurf (rechts). Zusätzlich wird ein Metolius Ropehook (links) vorbereitet. Anstelle des Ropehooks kann das Seil auch über den eigenen Seilstrang zur Selbstsicherung gelegt werden.
Die Nachstiegssicherung (links) erfolgt mit einem Sicherungsgerät, das automatisch blockiert wie z.B. dem Reverso.
Die Nachstiegssicherung (links) erfolgt mit einem Sicherungsgerät, das automatisch blockiert wie z.B. dem Reverso.
Das eingezogene Seil wird in Schlaufen rechts und links in die Seilaufnahme gelegt (oder eben über das Seil der Selbstsicherung).
Das eingezogene Seil wird in Schlaufen rechts und links in die Seilaufnahme gelegt (oder eben über das Seil der Selbstsicherung).
Wichtig: Die Seilschlaufen werden mit jeder Schlaufe ein Stück länger!
Wichtig: Die Seilschlaufen werden mit jeder Schlaufe ein Stück länger!
Wenn der Nachsteiger den Standplatz erreicht, ist das gesamte Seil in der Seilaufnahme. Die oben aufliegenden Schlaufen sind die längsten. Zusammen mit dem Nachsteiger wird der Seilstapel nun gewendet: Der Nachsteiger hält mit beiden Händen den Seilstapel in der Mitte fest und der Sicherungsmann wirft die eine Seite des Stapels über die Hände des Nachsteigers. Der Nachsteiger legt den nun gewendeten Seilstapel zurück in den Ropehook. Das Ergebnis ist im nächsten Bild zu sehen.
Wenn der Nachsteiger den Standplatz erreicht, ist das gesamte Seil in der Seilaufnahme. Die oben aufliegenden Schlaufen sind die längsten. Zusammen mit dem Nachsteiger wird der Seilstapel nun gewendet: Der Nachsteiger hält mit beiden Händen den Seilstapel in der Mitte fest und der Sicherungsmann wirft die eine Seite des Stapels über die Hände des Nachsteigers. Der Nachsteiger legt den nun gewendeten Seilstapel zurück in den Ropehook. Das Ergebnis ist im nächsten Bild zu sehen.
Nach dem "Wenden" des Seilstapels liegen die kürzesten Schlaufen oben auf. Das Seil des zuvor Sichernden liegt oben und kann einfach abgenommen werden. Durch die unterschiedlich langen Schlaufen ziehen sich die Schlaufen nicht ineinander.
Nach dem „Wenden“ des Seilstapels liegen die kürzesten Schlaufen oben auf. Das Seil des zuvor Sichernden liegt oben und kann einfach abgenommen werden. Durch die unterschiedlich langen Schlaufen ziehen sich die Schlaufen nicht ineinander.

Endet für einen Vorsteiger ein Block, sichert er noch einmal seinen Nachsteiger, der dann in der nächsten Seillänge die Führung übernimmt. Bei diesem letzten Nachsichern wird mit langen Seilschlaufen begonnen, die Stück für Stück kürzer werden. Ein Wenden des Seilstapels kann dann entfallen, da das Seil des zum Vorsteiger werdenden Nachsteigers bereits oben aufliegt. So (mit langen Seilschlaufen beginnend) kann übrigens auch ganz prima im Überschlag geklettert werden.

Tipp: Vor der nächsten Klettertour zu Hause am Geländer ausprobieren!

Tom Ehrig – Vorstand für Bergsteigen im Sächsischen Bergsteigerbund

Tom ist Jahrgang 1988 und studiert an der TU Dresden Maschinenbau. Seit 1996 ist er Mitglied im Sächsischen Bergsteigerbund (SBB). Im Alter von 3 Jahren bestieg er mit seinen Eltern den Steinlochturm in Schmilka als seinen ersten Gipfel. Der betont sächsische Kletterklub „Sächs’sche Maunt’nverein Freiberg“ ist ob seiner Mitgliedschaft glücklich, und fragt man Tom nach einem besonderen Glücksgefühl bei einer Tour im heimischen Sandstein, beginnt er von seiner Begehung der Müllersteinkante im Jahr 2014 zu berichten. Im Mai desselben Jahres wurde Tom Ehrig zum Vorstand für Bergsteigen gewählt. Drei Monate zuvor hatte der SBB zu einem Zukunftskongress eingeladen und dort die Ergebnisse der 2013 durchgeführten Umfrage vorgestellt und diskutiert. Kennt man Tom persönlich, weiß man, dass er sowohl große klassische Wege klettert als auch die sportliche Herausforderung in schweren Wegen sucht. Seine erste Aufgabe war es, auf die bereits ausgewertete Umfrage von 2013 zu reagieren. Dies geschah, indem Tom zusammen mit den anderen Vorständen des SBB ein Konzept zur Bergsportentwicklung erarbeitete. Wie bei den zurückliegenden Diskussionen über Topropes und UFOs wird hitzig über die Umfrage und das Konzept zur Bergsportentwicklung diskutiert. Ich treffe Tom auf dem Balkon seiner WG in der Dresdner Neustadt zum Interview.

Tom Ehrig hat Grund zur Freude, da er soeben eine vertrauenswürdige Abseilstelle auf einem Sandsteinturm im Jordanischen Wadi Rum gefunden hat. (Foto: Tom Ehrig)
Tom Ehrig hat Grund zur Freude, da er soeben eine vertrauenswürdige Abseilstelle auf einem Sandsteinturm im Jordanischen Wadi Rum gefunden hat. (Foto: Tom Ehrig)

Was bedeutet die im Konzept aufgeführte Verbesserung der Absicherungssituation nach Augenmaß?

Letztes Jahr bin ich die „Plattige Wand“ am Kl. Falknerturm geklettert. Eine VIIb mit traumhafter Wandkletterei an festen Eisenplatten. Aber da im zweiten Teil der Plattenwand keine Schlinge liegt, schlägt man, wenn einem oben die Kräfte verlassen, aus 15m wieder im Boden ein. Und im Gipfelbuch war keine einzige Begehung zu finden. Ein nachträglicher Ring und es würde eine Sternchenroute entstehen, die auch geklettert wird.

Anderes Beispiel: Letztens war ich an der Rohnspitze und wollte „Über die Dolchspitze“ klettern. Ich habe in der unteren Hangel nach wenigen Metern Angst bekommen und mit viel Kraft eine Schlinge in den Riss gespatelt. Anschließend bin ich auf letzter Elle wieder abgeklettert. Eine Freundin fragte mich daraufhin, ob ich mir jetzt nicht einen nachträglichen Ring an dieser Stelle wünschte und ich sagte nein. Natürlich nicht. Jeder, der diesen Weg klettern möchte weiß, worauf er sich einlässt. Ein Bilderbuch-Klassiker mit unbedingtem Bestandsschutz! Als ich mich dann etwas erholt hatte, gelang mir die Begehung noch. Das verstehe ich unter Augenmaß.

Thomas Hering klettert im "Dolch" an der Rohnspitze
Thomas Hering klettert im „Dolch“ an der Rohnspitze

Direkt gegenüber gibt es an der Zitadelle die Route „Domino, die als eine der wenigen Sportkletterrouten im Gebirge gilt (Ein Ring aller 4-5 Meter). Was ist mit den Kletterern, denen auch das Domino noch zu ungesichert ist und die sich dort doppelt so viele Ringe wünschen?

Franz Liebschner klettert in "Domino" an der Zitadelle zwischen dem 5. und 6. Ring
Franz Liebschner klettert in „Domino“ an der Zitadelle zwischen dem 5. und 6. Ring

Ich denke, dass nur wenige die Zukunft des sächsischen Kletterns darin sehen, die Absicherung sogar in den bereits als „Sportkletterrouten“ geltenden Wegen noch zu verbessern. Und ganz ehrlich: Über so eine krasse Übersicherung von Routen habe ich bisher noch nicht einmal nachgedacht. Aber es zeigt sehr schön, wie weit die Vorstellungen auseinander gehen. Das habe ich auch bei den Reaktionen auf das Konzept zur Bergsportentwicklung bemerkt. Den einen ist es zu traditionell und die anderen sehen darin den „Untergang des sächsischen Bergsteigens“. Das ist, denke ich, ein gutes Zeichen, dass es in Wirklichkeit weder das eine noch das andere ist.

Was tut der SBB, um dem Ruf nach besserer Absicherung nachzukommen?

Wir als Vorstand versuchen realistische Ideen zu entwickeln, bei denen wir Chancen sehen, diese im Rahmen unserer Möglichkeiten umzusetzen. Hervorzuheben sind hier z.B. das Pilotprojekt und die Projektgruppe Dornröschenschlaf. Diese suchen nach selten gekletterten Routen, um diese mit nachträglichen Ringen oder anderen Maßnahmen attraktiver zu gestalten und wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Arbeitsgruppe für nachträgliche Ringe hat ihre Geschäftsordnung geändert und ist auf einem guten Weg, um in Zukunft effizienter zu arbeiten. Das sind nur ein paar Beispiele für viele weitere gute Ideen und Konzepte, die in den Arbeits- und Projektgruppen bearbeitet werden. Das sind alles kleine Schritte, die uns aber dem Ziel näher bringen.

Helfen diese Schritte einem Kletterer der sich fürchtet, sobald seine Füße auf Ringhöhe sind?

Der Wunsch nach einer besseren Absicherung hat ja die Ursache, dass man sich in diesen Routen unsicher fühlt. Eine bessere Absicherung kann man aber nicht nur durch mehr Ringe erreichen, sondern auch durch mehr Erfahrung und Können im Schlingen legen. Daher bin ich der Meinung, dass auch der Ausbau von Kursangeboten – Vorstiegskurse, Kurse zum Schlingen legen oder speziellen Klettertechniken – ein wichtiger Eckpfeiler zur Erhöhung der Sicherheit sind.

Besonders Routen im mittleren Grad sind oft schwierig abzusichern, da die Wände meist geneigt sind oder aller drei Meter einen großen Absatz, Bänder oder Schrofengelände haben. Dort müsste vor und nach jedem Absatz ein Ring stecken und der Kletterer würde sich trotzdem noch die Füße brechen.

Was spricht gegen einen großen Schritt in Richtung Sportklettern?

Ich denke, dass die Umfrage durch den SBB objektiv ausgewertet wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass der Erhalt der Tradition bei den Mitgliedern einen hohen Stellenwert einnimmt. Den Ruf nach besser gesicherten Routen, besonders in den mittleren Schwierigkeitsgraden, haben wir gehört und das Konzept zur Bergsportentwicklung hält dafür Antworten bereit.

Die aktuellen Rufe nach mehr modernen Einflüssen sollten in den Arbeitsgruppen und Versammlungen des SBB vorgetragen werden. Auch Nicht-SBB-Mitglieder können sich gern in den Arbeits- und Projektgruppen engagieren und somit aktiv die Zukunft des sächsischen Kletterns gestalten.

Im Lager der Sportkletterer wird der Tausch von bestimmten Klettergipfeln gegen neue Massive als eine mögliche Lösung diskutiert. An den Massiven könnten Sportkletterrouten eingerichtet werden und im Gegenzug bliebe das Klettern an den Gipfeln unberührt. Warum wird diese Variante im Konzept zur Bergsportentwicklung explizit ausgeschlossen?

Die Auswertung der Umfrage hat gezeigt, dass es unter den Kletterern keine Mehrheit für diese „Tauschgeschäfte“ gibt. Abgesehen davon wären diese mit der momentanen Gesetzeslage schlicht nicht möglich. Selbst wenn wir Kletterer uns auf einen Kompromissvorschlag – sprich den Tausch von bestimmten Gipfeln gegen einige Massivwände – einigen könnten, müssten wir immer noch den langen Weg durch alle Behörden antreten, um schlussendlich eine entsprechende Gesetzesänderung im Sächsischen Landtag anzustreben. Dafür braucht es einen sehr langen Atem und ich habe noch niemanden getroffen, der sich auch nur vorstellen könnte, sich dieser Herausforderung zu stellen. Und bei all diesen Überlegungen müssen wir auch stets bedenken, dass wir das deutschlandweit beinahe einmalige Privileg besitzen, überhaupt in einem Nationalpark klettern zu dürfen. Daher sollten derartig große Schritte und mögliche Konsequenzen gut überlegt sein. Aus diesen Gründen haben wir uns als Vorstand darauf verständigt, momentan keine Schritte in diese Richtung zu unternehmen.

Du sagst, dass die sich die Zukunft des Sächsischen Kletterns in den Arbeitsgruppen gestallten lässt. Sind diese Arbeitsgruppen gut besucht?

Jein. Bei Diskussionen hört man sehr oft nur die Extrempositionen. Entweder sehr traditionell oder sehr modern. Der „normale“ Gelegenheitskletterer, der ein paar Mal im Jahr im mittleren Schwierigkeitsbereich klettert, ist in den SBB Arbeitsgruppen kaum anzutreffen. Das ist sehr schade, da genau diese Gruppe die Mehrheit der sächsischen Kletterer darstellt. Und im Allgemeinen ist der Zuspruch für die Projektgruppen, wie z.B. die Projektgruppe Dornröschenschlaf, leider deutlich geringer, als ich gedacht hätte.

Das Gespräch führte Uwe Daniel

Sächsisches Klettern zwischen Tradition und Moderne

Im Jahr 2013 führte der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) eine Umfrage durch die in 28 Fragen ein weites Themenfeld abdeckte. Darunter auch die Frage ob und wie Klettertouren besser abgesichert werden sollten. Manch Außenstehender würde sagen, dass die Antwort „mit Bohrhaken“ lauten könnte aber so einfach ist es in der Sächsischen Schweiz nicht. Naturschutz, die Tradition des sächsischen Kletterns und ein Dutzend anderer Faktoren lassen die Frage kompliziert werden. Jedenfalls wurde die Umfrage durchgeführt, die Ergebnisse auf einem Zukunftskongress vorgestellt und mit einem Konzept zur Bergsportentwicklung auf eben diese Ergebnisse reagiert. Jetzt hat Falk Zedler dem SBB einen offenen Brief mit dem Titel „Umfrage durchgeführt – Ergebnisse ignoriert“ geschrieben und diesen mit einer online-Petition beflankt. Wer das jetzt alles nicht verstanden hat, hat alles richtig verstanden.

Falk Zedler
Falk Zedler

Um etwas Licht ins Dunkel zu bekommen treffe ich Falk Zedler zum Interview im Dresdner Alaunpark. Falk, geb. 1981, hat ein Kind, wirkt in der neuen Heidenauer Kletterhalle Yoyo mit und ist diplomierter Wirtschaftsingenieur.

Ich habe Deinen offenen Brief mehrfach gelesen und nicht verstanden was du eigentlich möchtest. Ganz kurz: Um was gehts?

Ich habe mir die Umfrageergebnisse genau angesehen und dabei ist mir eine riesige Diskrepanz zwischen dem Umfrageergebniss und dem Konzept zur Bergsportentwicklung aufgefallen. Die Umfrage dokumentiert eine breite Interessenverteilung unter den sächsischen Kletterern. Das Konzept des SBB wird dieser Interessenverteilung nicht gerecht.

Mein Ziel ist es, dass sich der SBB öffentlich dazu bekennt sich neutral hinsichtlich der unterschiedlichen Interessen zu verhalten. Das bedeutet, dass zeitnah Veränderungen herbeigeführt werden müssen. Bislang ist der SBB eine Interessenvertretung der Traditionalisten. Der SBB sollte aber auch Sportkletterer vertreten.

Als Verein aller Kletterer muss er auch Angebote für alle Kletterer schaffen. Es ist genug Kletterfläche da, um sowohl traditionell als auch modern klettern zu können. Es sollte nicht einer alles haben – egal ob Sportkletterer oder Traditionalist.

Welche Möglichkeiten siehst du den Umfrageergebnissen neutral gerecht zu werden?

Man müsste sich für ein Prinzip entscheiden, was bei allen Fragen und bei allen unterschiedlichen Interessen gleichermaßen angewendet wird. Die für mich logischste Variante ist die Aufteilung. Zum Beispiel wünschen sich 37% der Umfrageteilnehmer die systematische Nachrüstung von Routen. Das war die radikalste Option. Man könnte also ca. ein Drittel der Kletterfläche systematisch nachrüsten.

Alternativ könnte man sich auch an absoluten Mehrheiten festhalten. Diese schwarz/weiss Variante wäre in meinen Augen nicht sinnvoll. Zumal die Interessen der meisten Kletterer irgendwo zwischen den Extremen liegen.

Warum gibt es auch noch eine Petition?

Um öffentlich Druck zu erzeugen. Der offene Brief besteht aus zwei Seiten Text. Da muss man sich hinsetzen und lesen und tief in die Zahlen einarbeiten. Dort sind die relevanten Argumente im Detail aufgeführt. In der Petition sind dann die Kernpunkte zusammengefasst welche sich in drei Minuten überblicken und anklicken lassen.

Siehst du Dich und Deine Petition richtig verstanden?

Ich finde es fast ein bisschen Schade, dass auch diejenigen, die meine Petition unterzeichnet haben, sagen, dass ich eine Petition für das Sportklettern gestartet habe. Das stimmt nicht! Die Petition fordert Neutralität des SBB. Es geht um das politische Funktionieren des Organs. Wenn der SBB die Regeln für alle sächsischen Kletterer diktieren darf, muss er auch demokratisch funktionieren.

Im SBB gibt es die Möglichkeit Anträge zu stellen und über diese in der Hauptversammlung abstimmen zu lassen. Warum wählst du nicht diesen etablierten Weg?

Ich habe in meinem Freundeskreis erlebt wie sich der eine oder andere im SBB engagiert hat und nach zwei Jahren entnervt aufgegeben hat. Es wäre nicht lösungsorientiert, wenn ich einen Antrag stellen würde der auf 37% der Kletterfläche die Einrichtung von Sportkletterrouten fordert. Das wollen ja offensichtlich nur 37% der Umfrageteilnehmer, d.h. der überwiegende Teil ist dagegen. Außerdem glaube ich, dass viele Leute nach so vielen Jahren Diskussion ohne Ergebnisse nicht mehr daran glauben, dass sich auf diesem Wege etwas ändert – und deshalb nicht zur Hauptversammlung kommen.

Bist du im SBB Mitglied?

Nein. Ich bin Sportkletterer und sehe mich durch den SBB nicht vertreten.

Für mich war immer klar, dass sich nichts verändern würde, wenn auch ich noch zum SBB gehe, um dort mitzudiskutieren. Hardcore-Traditionalisten wollen keine Kompromisse. Eine lösungsorientierte Diskussion ist da gar nicht möglich. Ich hoffe mit meinem offenen Brief und meiner Petition etwas bewirken zu können.

Wie stehst du zum Vorstand des SBB?

Im Falle des Konzepts zur Bergsportentwicklung hat der Vorstand einen Fehler gemacht. Deswegen richtet sich mein offener Brief auch direkt an den Vorstand. Die haben regelrecht ein falsches Ziel unterschrieben. Es unterscheidet sich eklatant von dem, was die Kletterer in der Umfrage geäußert haben. Ich glaube, dass der Vorstand vor allem die hört, die am lautesten Brüllen. Die Traditionalisten sind in den Organen des SBB überrepräsentiert und machen Druck. Zudem hat der Vorstand bei der Auswertung der Umfrage nicht genau genug hingesehen. Böser Wille ist es aber nicht.

In dem von Dir kritisierten Konzept zur Bergsportentwicklung wird von einem Pilotprojekt gesprochen was die systematische Nachrüstung überprüfen soll. Das lässt doch erkennen, dass der Wunsch nach besser gesicherten Wegen auch vom Vorstand erkannt wurde. Wie stehst du dazu?

Es gibt noch nichts Genaueres über den Umfang dieses Projektes zu lesen. Ich habe gehört, dass es sehr weit von den 37% der Gesamtkletterfläche entfernt ist. Im Gegenteil: Es ist die Rede von ein paar Gipfeln. Es ist auch nicht bekannt, ob dann im Rahmen dieses Projektes tatsächlich Routen entstehen, die „systematisch nachgerüstet“ bzw. sportklettermäßig abgesichert sind. Was soll dort getestet werden? Ob die Ringe auch halten wenn es mehr als 10 sind?

Es könnte doch sein, dass dieses Pilotprojekt genau das ist was du möchtest.

Ja. Kann sein, dass im Rahmen des Pilotprojektes Sportkletterrouten entstehen sollen. Genauer beschrieben ist das wie gesagt nicht. Bisher habe ich das Pilotprojekt so verstanden, dass es sich dabei um das gezielte Überprüfen von Routen nach nachträglichen Ringen handelt. Dabei wird in einem Gebiet ermittelt, welche Wege nicht geklettert werden, um dann diese Routen gezielt nachzurüsten. Die Intensität dieser Nachrüstung ist nicht bekannt. Bislang ist es ja so, dass in einem Weg mal zwei nachträgliche Ringe installiert werden. Wenn dieser Weg 60 Meter lang ist, dann ist das noch richtig weit weg von Sportklettern. Da werde ich nicht einsteigen. Auch in meinem Umfeld werden mir Wege als gut gesichert empfohlen, in die ich um Himmels Willen nicht einsteigen würde.

Auch die im Konzept angekündigten organisatorischen Verbesserungen in der AGnR beantworten nicht den Ruf nach besser gesicherten Wegen. Das Konzept sagt nichts darüber aus, inwieweit die Regelung zu nachträglichen Ringen verändert werden soll. Stünde da, dass die Regel bzw. die Bewilligungspraxis für nachträgliche Ringe verändert wird, wäre das etwas anderes. Wie sich die Arbeitsgemeinschaft intern organisiert und welche technischen Mittel zur Verfügung stehen ist für den Kletterer uninteressant.

Du bist König der Sächsischen Schweiz. Was würde sich verändern?

Persönlich favorisiere ich die Variante, dass Massive für die Form des modernen Kletterns geöffent werden und dort unter anderem Sportkletterrouten nach südspanischem Vorbild eingerichtet werden. Ich bin für eine klare Trennung vom traditionellen Klettern, was nach wie vor an den bestehenden Gipfeln stattfinden sollte.

37% sagen, dass sie eine systematische Nachrüstung wollen. Es ist nicht klar, wie dieses System aussehen soll. Ich verstehe es so, dass auch Sportkletterrouten entstehen: Nie Angst wegen der Sicherung haben müssen. Von mir aus können das auch nur 10% der Kletterfläche sein und die anderen 27% dann mit etwas weiteren Ringabständen.

Nochmal ganz klar: Ich wünsche mir das nicht für die gesamte Sächsische Schweiz. Ein Nebeneinander von traditionellem und modernen Klettern. Persönlich bin ich bereit, modern erschlossene Massive gegen Kletterfläche an den bestehenden Gipfeln einzutauschen. Natürlich sehe ich, dass dieser Tausch ins Fleisch der Traditionalisten schneidet. Deshalb: Sollen sie selbst entscheiden, welche Gipfel sie hergeben oder nachrüsten wollen. Vorrausgesetzt, es sind schöne Wege für alle dabei.

Was erhoffst du dir von deinem offenen Brief und deiner Petition?

Ich möchte, dass der SBB Vorstand sich hinstellt und den Fehler im Konzept zur Bergsportentwicklung öffentlich eingesteht. Ich möchte, dass die Neutralität zum erklärten Vereinsziel wird und in erster Konsequenz die Sportkletterer stärker berücksichtigt werden.

Mit diesem Vereinsziel können die Leute innerhalb des Vereins auch besser argumentieren. Dann müssen sich Traditionalisten und Sportkletterer diesem Ziel gemeinsam unterordnen und Lösungen erarbeiten. Der Traditionalist kann sich dann dem Kompromiss nicht weiterhin mit einem „das war schon immer so, das wollen wir nicht“ entziehen. Die Leute in den Arbeitsgruppen hätten dann eine Vorgabe, die es umzusetzen gilt. Der Vorstand muss dort seinen eigenen Leuten Druck machen. Unter solchen neutralen Zielvorgaben bin ich dann auch bereit, im SBB mitzuarbeiten.

Ziel der Umfrage war die Feststellung eines Meinungsbildes. Eine Veränderung bestehender Regelungen wurde im Vorfeld sogar explizit ausgeschlossen. Das Konzept zur Bergsportentwicklung ist somit eigentlich ein Bonus.

Der SBB weiß noch gar nicht was rauskommt – weiß aber schon, dass es nicht umgesetzt wird. Wenn du mich fragst, dann hat der SBB einfach Angst vor Veränderung. Aber nichts zu tun ist bei der bestehenden Interessenverteilung keine Option.

Ein traditioneller Kletterer träumt bestimmt schlecht von Dir.

Ich kann traditionelle Kletterer verstehen. Aber es ist doch nicht deren Gebirge. Ich kann mich nicht als Traditionalist hinstellen und für mich beanspruchen, die Regeln für alle bestimmen zu dürfen. Auf das Argument „wer hier nicht klettern möchte, soll doch in die Fränkische fahren“ will ich mich gar nicht einlassen. So ein Quatsch! Andere Richtung! Fahr Richtung Adersbach, dort hast Du traditionelles Klettern. In den Alpen, in Böhmen – überall gibt es traditionelles Klettern. Die oft gefeierte Einzigartigkeit des sächsischen Kletterns ist im Hinblick auf die Sicherungssituation überhaupt nicht gegeben.

Freifrage

Für mich ist der wichtigste Punkt, dass der SBB eine neutrale Position gegenüber allen Kletterern einnimmt. Auch Sportkletterer sollten durch den SBB vertreten werden. Der Sinn und Zweck des SBB sollte es sein, den Willen aller Kletterer umzusetzen. Die Korrektur des Konzeptes zur Bergsportentwicklung ist dabei sehr wichtig.

Bisher haben mich sowohl positive als auch negative Reaktionen erreicht. Von den traditionellen Stimmen war keine einzige dabei, die gesagt hat: „Ich bin ein traditioneller Kletterer, was du sagst gefällt mir nicht, aber du hast inhaltlich Recht.“ Keiner von denen hat eingestanden, dass es neben dem traditionellen Klettern auch Raum für modernes Klettern geben muss. Das ist enttäuschend. Dabei muss das Schubladendenken zwischen Tradition und Moderne überhaupt nicht sein. Ich habe nichts dagegen, dass neben mir jemand einen Riss klettert. Aber warum hat denn der, der den Riss klettert etwas dagegen, dass ich ’ne gute Sicherung haben möchte? Das macht überhaupt keinen Sinn. Wir wollen doch alle klettern gehen. Warum streiten wir uns rum wie die Blöden? Bei 18.000 Wegen? Wer soll denn das alles klettern?

 Das Gespräch führte Uwe Daniel

Nachtrag vom 22. September 2015: Im SBB-Mitteilungsblatt antwortet der Vorstand des SBB unter der Überschrift Klicken oder Reden: „Im Internet wurden ein offener Brief und eine Petition an den SBB veröffentlicht. Der Autor versucht aus seiner eigenen Interpretation unserer Umfrage Forderungen an den SBB abzuleiten. Wir sind jedoch weiterhin davon überzeugt, dass die Weiterentwicklung unseres Bergsteigens nicht im Internet sondern in den Projektgruppen zur Bergsportentwicklung 2014-2017 diskutiert werden sollte und rufen hiermit erneut alle Kletterer – traditionelle und moderne – zur Mitarbeit auf.“ (MTB Q3 2015 S. 4)

UFOs – Die neuen Knotenschlingen

Jan Obročník (Foto: Jan Simanek)
Jan Obročník (Foto: Jan Simanek)

In mühevoller Handarbeit stellt Jan Obročník in seiner kleinen Werkstatt UFOs, Risshandschuhe und Knöchelschoner her. Das UFO stellt eine Weiterentwicklung der traditionellen Knotenschlinge dar und hat in den vergangenen Jahren für einigen Wirbel in der sächsischen Kletterszene gesorgt. Mittlerweile ist etwas Gras über die Sache gewachsen; UFOs sind offiziell erlaubt und wer aufmerksam durch das Gebirge läuft, sieht, dass sich die neuen Sicherungsmittel einer gewissen Beliebtheit erfreuen.

Im Interview mit Jan Obročník – dem Hersteller der UFOs.

„Ob mit oder ohne UFOs. Klettern geschieht im Kopf. Die dabei verwendete Ausrüstung ist nebensächlich.“ (Jan Obročník)

Wie ist die Geschichte der UFOs?

Im Jahr 2000 hatte Marek Žák die Idee zu einer Schlinge, bestehend aus einem Keil, der in eine Tasche gezogen wird. Marek hat für sich selbst einige angefertigt und sie beim Klettern verwendet. Weil es so gut funktioniert hat, registrierte er seine Erfindung mit einem Industriemuster. Mareks Suche nach einem Partner verlief aber zunächst erfolglos. Seinen Prototypen zu zertifizieren und in Serie zu produzieren erwies sich schwieriger als gedacht. So kam es dann auch zu dem Namen UFO: die Kletterer munkelten, dass es ein neues Sicherungsmittel gibt – aber wirklich gesehen hatte es bisher niemand.

Im Jahr 2011 begann  Tomáš Sedláček, ein Bekannter von Marek Žák, schließlich mit der Produktion von UFOs. Heraus kam ein UFO, bestehend aus einem geklebten Gurtband und einer mit Klettersohle beklebten Tasche (UFORing). Der Vertrieb startete 2012 auf dem Bergsteigerfestival in Teplice.

Ich selbst bin im Jahr 2010 auf die UFOs aufmerksam geworden und wusste zunächst nicht viel darüber. Anfangs dachte ich gar nicht darüber nach UFOs in Serie herzustellen. Im Freundeskreis kletterten wir einfach Risse und haben uns UFOs für den Eigenbedarf gebaut. Mit der Zeit sammelte ich praktische Erfahrungen bei der Verwendung meiner UFOs und verbesserte Schritt für Schritt meinen Entwurf, der ohne Klebstoff und Gummi auskommt. Die größten Probleme bereiteten mir zunächst die Auswahl und Einstellung der Nähmaschine, da die zu vernähenden Schichten sehr stark und dick sind. Anfang 2012 war ich dann zufrieden mit meinem UFO-Entwurf und meiner Produktionstechnik. Ich besuchte Marek und zeigte ihm meine UFOs. Sie gefielen ihm und er sagte, ich solle weitermachen, wenn ich Lust dazu habe. In dieser Zeit kündigte ich meinen Job und entschied mich mir keinen anderen zu suchen, sondern meine UFOs professionell herzustellen. Im Juli 2012 wurden meine UFOs vom staatlichen Prüflabor zertifiziert und der offizielle Verkauf startete einen Monat später – wiederum beim Bergsteigerfestival in Teplice.

Wie produzierst du Deine UFOs? Ist alles Handarbeit?

Ich habe zu Hause in meiner Garage eine Werkstatt eingerichtet, in der ich allein arbeite. Bis auf die Trägerschlinge, die ich von SingingRock einkaufe, ist alles Handarbeit. Das Schwierigste ist das Nähen des Keils. Der „Faden“ ist eigentlich kein Faden, sondern eine dünne Schlinge. Das braucht sehr viel Kraft.

Jan Obročník in seiner Werkstatt (Foto: Jan Simanek)
Jan Obročník in seiner Werkstatt (Foto: Jan Simanek)

In Sachsen gab es im vergangenen Jahr eine teils emotionale Diskussion um das Thema UFO. Der sächsische Bergsteigerbund (SBB) ließ seine Mitglieder in der Hauptversammlung 2013 über ein Verbot bzw. die Erlaubnis von UFOs abstimmen. Hast du diese Diskussion verfolgt und falls ja, wie ist Deine Meinung dazu?

Ich verfolgte die Diskussion ab und zu in Internetforen. Ich habe mich dort nur selten und wenn, dann auch nur in technischen Belangen geäußert. Es ging hauptsächlich um sächsische Kletterethik. Da ich nicht aus Sachsen bin, kann ich dazu nichts sagen. Die Regeln in einem Gebiet werden von den Locals formuliert. Neue Dinge werden besprochen und wenn am Ende ein Beschluss herauskommt, muss man sich als Kletterer daran halten und diesen Beschluss akzeptieren. Jedes Gebiet hat eigene Regeln und es ist wichtig diese Regeln zu respektieren.

Was sagst du den Bergsportlern die sich gegen die Benutzung von UFOs ausgesprochen haben?

Auf dem Dresdner Bergsichtenfestival traf ich Herbert Richter und ich fragte ihn, ob er UFOs verwenden würde, wenn es die bereits im Jahr 1960 gegeben hätte. Und er sagte – „Ja, es ist immer besser, etwas mit zu haben als auf dem Boden zu liegen“1.

Meine Meinung ist folgende: Ein UFO ist ein Hilfsmittel, das uns das Leben in den Felsen angenehmer macht. Dabei verhält es sich so wie mit modernen Kletterschuhen, einer großen Auswahl an Schlingen, Klettergurten, Risshandschuhen und Sicherrungsgeräten. All das gab es früher auch nicht. Die Disskussion darüber, dass ich einen Weg aus den Sechzigern mit einem Klettergurt voll mit Schlingen klettern kann, aber nicht mit UFOs, finde ich verfehlt. Beispielsweise helfen Risshandschuhe beim Klettern viel mehr als UFOs. Mir ist aber klar, dass der Anspruch einer Begehung mit der damals üblichen Ausrüstung im Vergleich zur aktuell üblichen Ausrüstung höher ist. Ich würde einen neuen Begehungsstil vorschlagen der „so wie zu Erstbegehers Zeiten“ lautet. Also mit Brustsicherung, Seilschlingen und barfuß – so wie zur Zeit der Erstbegehung oder schlechter. Streitereien darüber, ob dies noch erlaubt ist und das nicht mehr sind nur gut für die Stammtische.

Gab es eine ähnliche Diskussion in Adersbach? Wie sind dort die Reaktionen auf Deine UFOs?

Ich bin ja aus dem Böhmischen Paradies. Aber in Tschechien war die Diskussion nicht so groß. Es gilt die Regel, dass man Sicherungsmittel verwenden darf, die den Felsen nicht beschädigen. Die Tschechische Naturschutzbehörde bestätigte mir, dass meine UFOs den Sandstein nicht beschädigen und die Verwendung somit erlaubt ist. Es gibt also keinen Grund für eine Diskussion (Anmerkung: vgl. die gleichlautende Stellungnahme des Nationalpark Sächsische Schweiz). In privaten Kreisen ist es aber natürlich trotzdem ein Thema. Wenn du in den Felsen einen berühmten Riss kletterst und aller Nase lang in einem UFO ruhst, musst du dich nicht damit rühmen. Wenn du auf den Ringschaft trittst oder dich in jeder Knotenschlinge ausruhst, ist es aber das gleiche – dann bist du die Tour einfach nicht geklettert und solltest das Gipfelbuch geschlossen lassen.

Die Abstimmung in der Hauptversammlung des SBB verlief für Deine UFOs positiv. Wie stehst du zu den UFORings mit der Gummi-Beschichtung? Es wurde in der selben Hauptversammlung abgelehnt.

Ich hatte die UFORings in der Hand, bin aber nie mit denen geklettert. Jede Lösung hat etwas positives und etwas negatives. Ich habe Leute getroffen, die beide Varianten verwenden, weil sie sagen, die eine funktioniert hier und die andere dort besser. Aber meine UFOs sind natürlich viel viel besser 🙂 Und das Verbot der UFORing Variante in Sachsen? Ich denke, dass viele deutsche Kletterer den Unterschied zwischen den beiden Varianten nicht sehen bzw. nicht verstehen, warum die eine Variante verboten ist und die andere erlaubt. Ich verstehe die SBB-Entscheidung als klares Zeichen für die Zukunft:  „Weiches“ Schlingenmaterial ist ok – alles andere ist verboten.

In den Dresdner Ausrüstungsgeschäften gibt es ausschließlich die UFORings – viele sächsische Kletterer haben Deine UFOs noch nie gesehen. Warum gibt es Deine UFOs nicht in Dresden zu kaufen?

Meine UFOs gibt es auch nicht in den tschechischen Geschäften. Der Grund ist, dass ich sehr viel Zeit brauche um die UFOs herzustellen – viel länger als die geklebten UFORing. Außerdem ist mein kleiner Betrieb im Gegensatz zu größeren Ausrüstungsgeschäften umsatzsteuerbefreit. Bei einem Ausrüstungsgeschäft kommen also Mehrwertsteuer und Gewinnmarge hinzu, was den Preis für ein UFO fast verdoppeln würde. In meinem Onlineshop kann ich die UFOs für 25 € das Stück anbieten. Ich hoffe, dass es sich über Mundpropaganda herumspricht.

Wie wird Deiner Meinung nach das Sandsteinklettern in Adersbach und der sächsischen Schweiz durch UFOs beeinflusst?

Ich denke die Veränderungen durch UFOs sind nicht dramatisch. Es kommen mehr Leute durch Kletterhallen zum Klettern als durch UFOs. Die UFOs helfen den Anfängern und die Erfahrenen können mit UFOs ab und an Routen ausprobieren, die sie sich sonst nicht trauen würden. Bei Erstbegehungen kann es in seltenen Fällen Ringe sparen. Die Wege, in denen UFOs liegen, sind in der Regel bereits erschlossen. Es kann interessant werden, wenn in Sachsen die Massive geöffnet werden sollten – das ist aber, glaube ich, kein aktuelles Thema.

In Adersbach kommen durch Risshandschuhe und UFOs ein bischen mehr Leute. Aber Adersbach ist so speziell, dass es nie ein beliebtes Klettergebiet für den normalen Kletterer werden wird.

Siehst du bei Deinen UFOs ein technisches Entwicklungspotential? Was kommt als nächstes? Hast du den Kopf voller Ideen?

Für die UFOs habe ich einige Kleinigkeiten im Kopf. Für ein neuartiges Sandstein-Sicherungsmittel sehe ich persönlich keine sinnvolle Möglichkeit. Ich denke, dass es in Zukunft Sicherungsmittel geben wird, die auf Nanotechnologie beruhen – wie bei Geckos die an der Decke hängen können 🙂

Abgesehen von UFOs werde ich in Zukunft vielleicht auch Sandalen und Rucksäcke anbieten. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob meine Ideen diesbezüglich auch funktionieren werden.

Gibt es etwas, was Du schon immer mal sagen wolltest? Du kannst z.B. auf eine Frage antworten, die ich gar nicht gestellt habe.

Sandsteinklettern ist für mich nicht einfach nur Sport. Es ist ein Weg zwischen Meditation, Lebensstill und Fitnessraum. So ähnlich wie Yoga, aber mit dem Unterschied, dass man schneller ein Feedback bekommt. Wenn du eine Route kletterst, der du nicht gewachsen bist, kann das Feedback auch Krankenhaus lauten – aber alles hat seinen Grund. Es ist für jeden möglich diesen Lebensweg zu gehen. Ob mit oder ohne UFOs. Klettern geschieht im Kopf. Die dabei verwendete Ausrüstung ist nebensächlich. Dazu gibt es viele individuelle Meinungen und das ist gut so. Aber besser als die Diskussion über gutes und böses Klettern ist das Klettern selbst. Jeder soll klettern können, wie er es möchte – natürlich im Einklang mit den örtlichen Regeln.

Das Gespräch führte Uwe Daniel

Kurzinfo:

Interview:
Uwe Daniel
Onlineshop:
obrworks.cz
ObrWorks:
bei Facebook
UFORing:
Infos zum Konkurenzprodukt auf uforing.de (Im Sachsen-Sandstein mit Gummibeschichtung nicht erlaubt – gibt es auf Anfrage auch ohne Gummibeschichtung)

Anmerkung

Jan Obročník zitiert in einer Antwort Herbert Richter. Um Übersetzungsfehlern vorzubeugen wurde dieses Zitat überprüft und Herbert antwortete: „Ob meine Antwort so war, weiß ich nicht mehr, kann aber stimmen. Allerdings habe ich zugleich meine Bedenken geäußert, da alles, was der Mensch erfindet, missbraucht werden kann. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich UFOs – wenn ich noch zu klettern imstande wäre – nicht mitnehmen würde, einfach weil mir dieses Gebammel am Arsch zuwider wäre.“

Making of Kompaktführer – im Interview mit Robert Hahn

Robert Hahn
Robert Hahn

Dienstag Nachmittag 16:00 Uhr. Der selbständige Industriebergsteiger und Autor Robert Hahn nutzt die langen Sommertage zur Außenrecherche. Eine neue Version seines Kompakt-Kletterführers ist in Planung und für gute Wegkommentare fährt der Autor nach wie vor am liebsten selbst an den Fels. Erklärtes Tagesziel ist die Überprüfung von Wegkombinationen der Olympiawand an der Hafersackkrone im Brandgebiet. Am besten geht das, indem Robert die besagte Route selbst klettert. Oben angekommen wird weiter gearbeitet – eine halbe Stunde wird das Gipfelbuch nach neuen Erstbegehungen durchsucht. Kletterführer schreiben sieht nach Arbeit aus.

Die Sächsische Schweiz ist das schönste Klettergebiet der Welt. Ich wollte es zugänglicher machen.

Wie bist du zum Klettern gekommen?
Durch meinen Bruder. Der war immer klettern und hat gesagt, ich soll mal mitkommen. Ich spielte aber in der damals höchst möglichen Spielklasse Fußball (Sachsenliga), hatte jedes Wochenende Punktspiel und somit überhaupt keine Zeit für Bergsport. Mit 18 habe ich dann aufgehört, bin einfach mal mit an die Felsen gegangen und es hat mir sofort gefallen.

Bist du in einem Kletterclub?
Ich bin Gründungsmitglied im KV Schwerelos.

Lieblingsgebiet und Lieblingstour?
Alle Sandsteingebiete. Außerhalb der Sächsischen Schweiz ist es Adersbach. Die schönste Klettertour des letzten Jahres erlebte ich im Wadi Rum (Jordanien), „Flight of Fancy“, stellvertretend für den gesamten Jordanien-Trip.

Lieblingskletterführer?
Kompaktführer (lacht). Unerreicht! Ich kann dir sagen. Im Ernst: Sehr gut hat mir „die Flue“ gefallen. Alle Topos mit Bleistift und Hand gezeichnet. Echt top und regelrecht künstlerisch.

Warum hast du den Kompaktkletterführer überhaupt geschrieben?
Es gab es keinen konkreten Auslöser. Es war ein Prozess. Ich hatte den Wunsch, mich auszudrücken in einer Art und Weise, die mir gut liegt. Klettern war das ganz offensichtlich nicht. Da gab es einige Leute, die wesentlich besser kletterten. Da mich Bücher schon immer interessiert haben und ich mich mit der Zeit gut im Gebirge auskannte, fiel irgendwann der Entschluss, einen Kletterführer zu schreiben. Mich interessierte die Möglichkeit, die traditionellen Werte mit denen ich groß geworden bin, weiterzugeben.

Gelingt das Transportieren von traditionellen Werten über deinen Kletterführer?
Unbedingt. Weil viele diesen Führer benutzen und die Kommentare helfen, sich überhaupt mit den Anforderungen der sächsischen Routen auseinander zu setzen. Mit dem Kompaktführer kann man so viel eher eine Liebe zum sächsischen klettern entwickeln, da man seltener unvorbereitet in Fallen tappt. Ich hoffe, dass mein Kompaktführer eine Art „helfende Hand“ ist.

Hast du bei anderen Kletterführern diese „helfende Hand“ vermisst?
Anfangs erlebte ich als Chemnitzer in der Sächsischen Schweiz schwierige Situationen, die auch hätten schlecht ausgehen können. Von Dresdnern hörte ich dann oft “Ja man weiß doch, was einen dort erwartet!”. Das war unbefriedigend. Wer außerhalb der Szene steht, hat keinen Zugang zu diesem exklusiven Wissen. Die Sächsische Schweiz ist das schönste Klettergebiet der Welt. Ich wollte es zugänglicher machen. Hier bei uns kann jeder klettern gehen, alle Geschmäcker können auf ihre Kosten kommen und gerade das ist einzigartig.

Was braucht man, um einen guten Kletterführer schreiben zu können?
Kletterer sind eine sehr heterogene Masse, sind unterschiedlich. Ich kann mich in verschiedenen Typen von Kletterern hineinversetzen. Und das Resultat sind die Kommentare, die ich den Wegbeschreibungen hinzufüge. Weiterhin ist ein guter Kontakt in die lokale Szene unabdingbar.

Was macht die meiste Arbeit?
Es gibt zwei gänzlich unterschiedliche Aufgabenbereiche. Als erstes muss ich Informationen generieren, z.B. zu Erstbegehungen, zu Umstufungen und vor allem zu Sternen, also den Empfehlungen. Das ist genau das, wass wir heute gemacht haben. Klettern gehen ist wichtig! Im Anschluss daran folgt im gleichen Maß Büroarbeit. Die gewonnenen Informationen müssen in 25.000 Datensätze eingearbeitet und verwaltet werden.

Was ist bei unserer heutigen Tour für deinen Kompaktführer rausgekommen?
Ein klassischer Fall: Es gibt etliche Beispiele von Wegteilen, die von der Mehrzahl der Begeher einfach nicht geklettert werden. Typisches Beispiel ist Lilienstein-Westkante oder eben wie heute der eigentlich originale Einstiegsriss zur Olympiawand. Dieser Einstiegsriss würde die Sternchen-Bewertung der Route nach unten ziehen. Das könnte ich ruhigen Gewissens nicht als besonders lohnende Route in meinem Kompaktführer empfehlen. Im neuen Führer wird die „Olympiawand“ ohne den Einstiegsriss beschrieben. Dieser wird als „Originaleinstieg“ separat aufgeführt. Er ist dreckig, feucht und komisch zu klettern – wer ihn trotzdem klettert, wird dies dann explizit im Gipfelbuch vermerken. Genau solche Entscheidung kann ich nicht vom Schreibtisch aus fällen. Dazu muss ich raus.

Wo siehst du die Zukunft des sächsischen Kletterns?
Das sächsische Klettern muss nirgends „hingehen“. In der Weltspitze spielen wir eh keine Rolle. Das Besondere bei uns ist allerdings die enorme Vielfalt… klasssiche Routen, Sportklettern, Risse, Wandkletterei, einfachste „Laufen“, schwierigstes Gelände, Quacken, 90m-Türme… einfach alle Spielarten des Kletterns. Diese Vielfalt ist der entscheidende Unterschied zu allen anderen Klettergebieten. Rentner, Eltern mit Kindern, Abenteuerlustige – für jeden gibt es Möglichkeiten.

Hast du den Wunsch, dass alles so bleibt wie es ist?
Nein. Zur Zeit ist es nicht wirklich gut. Für meinen Geschmack ist viel zu viel Gezänk in der lokalen Szene. Ich würde mir wünschen, dass die Klettergemeinde ein mehr an Miteinander anstrebt, unterschiedliche Ansätze respektiert. Die Sächsische Schweiz bietet mit der angesprochenen Vielfalt an Möglichkeiten für alle genug Raum. Wir brauchen kein gut und böse.

Und sonst?
Ähm. Grüße an die Omi?

Das Gespräch führte Uwe Daniel

Peter Brunnert – gefangen in der Kampfturmfalle

Kennengelernt habe ich Peter über gefühlte 15 Umwege. Ich glaube, es waren die letzten Wochen vor der Fertigstellung seines Buches „Die spinnen, die Sachsen!“. Da es darin eine Geschichte über eine abenteuerliche Begehung vom „Schiefen Tod“ am Einsiedler geben sollte, konnte ich Peter unter anderem mit einem passenden Bild von Thomas Hering aushelfen.

Danach passierte lange nichts, bis dieses Jahr der Cerro Torre Vortrag beim Treffen junger Bergsteiger in Hohnstein anstand. Peter und seine Frau Beata wurden flugs mit eingeladen und wie der Zufall es wollte, waren die beiden gerade in der Sächsischen Schweiz im Urlaub und wohnten fünf Gehminuten von der Burg Hohnstein entfernt.

Am nächsten Tag verabredeten wir uns zum Kaffee und plauschten über allerlei Dinge. Herausgekommen ist dann die Geschichte „Verschollen in der Kampfturmfalle„.

Wer es nicht mehr aushält, auf diese und weitere Geschichten in seinem neuen Buch „Klettern ist säxy!“ zu warten, kommt sicherlich bei einer von Peter Brunnerts Lesungen auf seine Kosten!

Peter BrunnertPeter Brunnert wurde 1957 in Hildesheim geboren, und da es dort keinen gescheiten Sandstein gibt, ist er oft mit seiner Frau Beata in der Sächsischen Schweiz unterwegs. Durch beste Kontakte in die Szene wurde er zu einem intimen Kenner der sächsischen Besonderheiten. Seinem Spürsinn für den Witz im Detail (und vielleicht auch dem nötigen Abstand) ist es zu verdanken, dass Bücher entstehen mit Geschichten, die ohne ihn vielleicht nie erzählt werden oder zumindest verloren gehen würden.
Der entgegengesetzte Pol zu den Überbleibseln einer Zeit, in der Bergsteiger noch „Helden“ waren und Berge nicht einfach nur bestiegen, sondern „bezwungen“ wurden.

P.S.: Wie ich gehört habe, freut sich das oben erwähnte Treffen junger Bergsteiger über finanzielle Unterstützung!

Panoramen aus Patagonien und Peru

Panoramablick zum Siula Grande (Peru)
Panoramablick zum Siula Grande (Peru)

Endlich! Es gibt jetzt, für all diejenigen die möchten, die Möglichkeit Panoramen zu bestellen. Da ich damit aber nicht meinen Lebensunterhalt verdiene ist der „Bestellprozess“ sagen wir mal abenteuerlich 🙂 Trotzdem ein ideales Weihnachtsgeschenk!

el chalten panorama Fitz Royel chalten panorama Fitz RoyCerro Torre Westwand InlandeisCerro Torre Westwand InlandeisCerro Torre Westwand InlandeisCerro Torre Westwand InlandeisCerro Torre, Torre Egger und Cerro StanhardtCerro Torre, Torre Egger und Cerro Stanhardt in Schwarz/WeißPatagonien - InlandeisPatagonien - InlandeisPeru - Siula GrandePeru - Siula Grande in Schwarz/WeißPeru - Alpamayo Gletscher und ArtensonrajuPeru - Alpamayo Gletscher und Artensonraju in Schwarz/WeißPeru - ArtensonrajuPeru - Artensonraju mit PanoramarandPeru - Bergsee am Alpamayo-Trek

Fast alle Panoramen sind mit einer Canon EOS 5D aufgenommen und bestehen wie das Beispiel unten aus bis zu 40 Einzelbildern. Durch diese Technik werden gigantische Auflösungen erreicht, die einen Druck auf 3-4 Meter Breite ermöglichen. Besonders „leicht“ wirken solche Panoramen auf einer Leinwand (Auf Holzrahmen gespannt). Durch die raue Oberfläche der Leinwand gibt es keine störenden Lichteffekte und zusätzlich kann man das Panorama mit extra installierten Lampen ausleuchten.

Ein Panorama wird aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzt (Artensonraju Peru)
Ein Panorama wird aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzt (Artensonraju Peru)

Einen Haken hat die ganze Sache aber: Wer sich für ein 3 Meter breites Panorama entscheidet muss mit Kosten von ca. 500-600 Euro rechnen.